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Vault 13

(1/1)

Tyler:
Albert verließ den Raum mit dem großen Kontrollpult vor dem hohen Sitz des Bunkeraufsehers und passierte blinkende und summende Computerterminals und ernste Gesichter,
die ihm betreten nachschauten, ohne dass er sie wahrnahm. Die automatische Schleuse schloss sich mit einem leisen Zischen hinter ihm. Er hörte es nicht.
In seinem Kopf wiederholte sich das Briefing, das der Aufseher ihm erteilt hatte.
„Ah, du bist da. Gut.“, hatte dieser ihn begrüßt, als er das Büro betrat.
Aufseher Jacoren, ein Mann Mitte der fünfzig mit grauem Haar und unregelmäßigem Bartwuchs, hatte Albert aus blauen Augen, die scharf unter dicken Brauen hervorstachen,
freundlich angeblickt und geseufzt.
„Wir haben ein Problem. Ein großes. Der Steuerchip unserer Trinkwasseranlage hat den Geist aufgegeben und wir haben keinen Ersatz. Wir brauchen jemanden,
der sich aus der Vault wagt, um einen neuen Chip zu beschaffen. Du bist einer derjenigen, die am besten für diese Aufgabe geeignet wären. Ich wünschte es gäbe einen anderen Weg,
aber du hast kein Kind, du hast keine Frau. Von allen die in Frage kämen, hält dich am wenigsten hier und du bist gut ausgebildet, wissbegierig.
Ich weiß, du hast mehr als einmal von der Außenwelt geträumt. Es gab Stimmen, die forderten, die Vault aufzugeben. Deine war eine davon. Aber ich bin dagegen.
Hier unten ist unsere große Familie in Sicherheit. Es gefällt mir nicht, überhaupt jemanden hinauszuschicken, aber ich habe keine Wahl. Wenn wir das Wasser streng rationieren,
bleiben uns noch vier bis fünf Monate, bevor wir hier unten verdursten. Kein Wasser, keine Vault. Du musst also so schnell wie möglich aufbrechen.“
Albert hatte während der Einweisung kaum etwas gesagt. Seine Schläfen pochten. Er spürte Angst, Aufregung, Unsicherheit, aber auch Neugier. Ihm war klar,
dass der Aufseher ihn loswerden wollte. Andererseits war das seine Chance, die Außenwelt mit eigenen Augen zu sehen, zu erkunden und nach seiner Rückkehr Jacoren zu überzeugen, die Vault zu verlassen.
Er war nicht der Einzige hier unten, der sich fragte, inwieweit sich die Welt dort draußen von der entfernt hatte, die sie aus den Filmen kannten, die im Gemeinschaftsraum zu besonderen Anlässen gezeigt wurden.
Aber auch mit den Anderen die der Meinung waren, der Mensch sei kein Maulwurf, war die Strömung immer noch eine Minderheit. Das Leben in Vault 13 war nicht unbequem und Jacoren war die oberste Autorität,
sein Wort war Gesetz. Die Wenigsten würden seine Anweisungen infrage stellen und selbst Albert war nicht bereit, mehr zu riskieren. Trotz seinem Fernweh war dies seine Heimat. Und seine Heimat brauchte Wasser.
„Gehe in Richtung Osten. Ich markiere dir die Position einer weiteren Vault, der Nummer 15, auf deinem PipBoy. Du wirst einige Tage unterwegs sein, aber die Entfernung ist zu bewältigen. Achte auf deine Umgebung.
Halte Ausschau nach Menschen, aber nähere dich ihnen nicht. Halte dich bedeckt. Das ist ein Rat, kein Befehl, aber die große Dunkelheit kann Gefahren hervorgebracht haben, die jenseits unserer Vorstellungskraft liegen
und das letzte was wir wollen ist, dass uns jemand findet. Du wirst die Vault mit deinem Leben schützen. Ich weiß nicht ob die 15 noch existiert und wie du hineingelangen könntest,
aber wenn es in der Nähe einen Steuerchip gibt, dann ist er dort. Die Sicherheit wird dich mit allem Nötigen ausrüsten, dann brichst du auf.“
Albert nickte.
„Ich weiß, es ist nicht leicht. Aber wir brauchen dich. Du hast von allen die besten Resultate in den Tests, aber auch ohne diese hätte ich gewusst, dass wir dich brauchen.
Du bist jung, stark und schnell. Du wirst dich draußen schnell zurechtfinden. Ich wünsche dir viel Glück. Unser Überleben hängt nun von dir ab.“
Er wollte Fragen stellen. Warum wird nicht ein ganzer Trupp zusammengestellt? Warum hat die Vault keine Ersatzteile für die Trinkwasseranlage? Aber eigentlich war es ihm egal.
Eigentlich wollte er gehen und ihm war klar, dass noch vor allem anderen genau das der Grund war, warum der Aufseher ihn ausgewählt hatte.
Nachdem Albert in der Rüstkammer war, passierte er die Schleuse zur Vorratshalle, die von einem Mitglied der Sicherheit bewacht wurde. Normalerweise wurde die elektronische
Türsicherung als ausreichend erachtet, aber in der Halle befanden sich unter anderem Wasservorräte und die waren jetzt kostbarer als alles andere.
Die Wache, eine junge Frau, nickte ihm zu.
An der nächsten Abzweigung wandte er sich nach rechts, ging hölzern den Korridor entlang, an weiteren Schleusen und glänzenden Wandpaneelen vorbei auf den Aufzug zu.
Er hatte alles was er brauchte. Er drückte den Knopf für die oberste Ebene und die Türen schlossen sich.
Er drückte mit zwei Fingern auf sein Nasenbein um für einen Moment das Pochen in seinem Schädel zu vertreiben.



Sollte der Vault Dweller Albert heißen? Ich habe mich in Ermangelung eines guten Einfalls an die Vorgegebene Figur gehalten, bin aber unschlüssig, ob mir der Name gefällt.
Max Stone kommt auf keinen Fall infrage, aber Albert klingt nicht besonders nach dem harten Typen, der er einmal werden wird. Andererseits ist der Name so gut wie jeder andere. Was meint ihr?

kaubonbon:
Keine Ahnung, wussten seine Eltern damals schon, dass er dereinst so ein Badass werden würde? ;)

Na ja, 'sprechende Namen' bzw. solche mit einem ausgeprägten kulturellen Hintergrund sind immer gut. Damit kann man den Charakter einer Figur schon im Voraus, ohne viele Worte, andeuten. Eignet sich somit  prima für Kurzgeschichten.

Tyler:

--- Zitat von: kaubonbon am 25. Januar 2013, 12:54:47 Uhr ---Keine Ahnung, wussten seine Eltern damals schon, dass er dereinst so ein Badass werden würde? ;)
--- Ende Zitat ---
In dem Fall könnte ich ihn auch Fridolin Bonaparte nennen.
Das wär doch mal was. :3


--- Zitat ---Na ja, 'sprechende Namen' bzw. solche mit einem ausgeprägten kulturellen Hintergrund sind immer gut.
Damit kann man den Charakter einer Figur schon im Voraus, ohne viele Worte, andeuten. Eignet sich somit  prima für Kurzgeschichten.
--- Ende Zitat ---
Der Name soll einfach handlich sein und einigermaßen cool klingen.

Micky:
Ich find Albert geil! ;D

Wär cool, wenn noch mehr solcher Geschichten kommen würden.

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