Autor Thema: Hank - A tribute to Terry Pratchett  (Gelesen 1636 mal)

Offline Tyler

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Hank - A tribute to Terry Pratchett
« am: 15. Januar 2009, 11:23:58 Uhr »
Hank und das unbefriedigende Ende einer hoffentlich belustigenden Shortstory

Wir bekamen vor ein paar Jahren im Deutschunterricht die Aufgabe, aus einer Reihe von vier oder fünf kleinen Bildchen eine Kurzstory zu schreiben.
Falls ich in nächster Zeit mal an einem Scanner vorbeilaufe wäre es bestimmt interessant zu sehen was ich aus sechs kleinen Bildchen für Storys knüpfe.
Ich möchte dir Geschichte auf keinen Fall meinem Lieblingsforum vorenthalten und euch mit einem meiner kreativsten Ergüsse beglücken.
(Wer findet, dass sich das seltsam anhörte hat absolut Recht!)

Und beachtet bitte die Fußnoten. Das sind meine Lieblinge. Und vielleicht eine Hommage an Terry Pratchett – so wie vermutlich die ganze Story.
Viel Spaß!


Hank war Briefträger, manche würden ihn auch „Postbote“ nennen. Er war nicht besonders Clever, aber für seinen Job reichte es vollkommen aus,
dass er wusste wie man am schnellsten von einem Ort zu einem anderen kam. Jemand drückte ihm einen Brief in die Hand, oder ein Paket,
oder das Geburtstagsgeschenk für die Nichte, etwa ein Pferd oder so was, und Hank rannte, (oder wankte, je nach dem welche Geschwindigkeit
Größe und Gewicht des Gepäckstücks zuzulassen bereit war) bis er sein Ziel erreicht und das Gepäckstück abgeliefert hatte. Dann kehrte er
zurück zur Briefträgergilde und wartete auf den nächsten Auftrag. Hank war gut in seinem Job, das wussten die Gildekämmerer, sie wussten auch,
dass er ein Idiot war was dazu führte dass er regelmäßig verarscht wurde. Aber da Hank ein Idiot war und nichts davon mitbekam, störte es ihn auch nicht sonderlich.
Heute bekam er jedenfalls nur einen Brief , von jemandem der lange Haare und eine Medaille trug und irgendwie wichtig aussah. Der Jemand sagte ihm
wo er hinmusste und schickte ihn los. Hank rannte die Treppe hinunter, durch das Burgtor und dann dreieinhalb Tage nach Nordosten. Hank war daran
gewöhnt dreieinhalb Tage lang durch strömenden Regen zu laufen, er war es auch gewohnt durch einen, aufgrund der Regenfälle, sechs Kilometer breiten
Fluss zu waten während er sein Gepäckstück am Nasswerden hinderte, also tat er es.
Auf der anderen Seite des, aufgrund der Regenfälle, sechs Kilometer breiten Flusses wartete eine Gruppe auf ihn. Die Gruppe bestand aus Leuten,
aus Männern um genau zu sein, und sie war bewaffnet, mit Schwertern, um noch mal genau zu sein.
Es war etwa die Art von Gruppe, die irgendwo tagelang wartete um zu versuchen übereifrige Helden aufzuhalten und dabei kläglich zu scheitern,
weil die Mitglieder* der Gruppe geköpft wurden, oder starben, oder beides.
Hank war kein Held, er sah nur aus wie einer. Er hatte versucht nicht mehr wie einer auszusehen indem er sich zum Beispiel einen alten Jutesack überzog,
mit dem Ergebnis dass er jetzt aussah wie ein Held der bei dem Kampf gegen einen neunköpfigen Drachen all seine Kleidung einbüßen musste und
trotzdem gewonnen hatte.
Infolgedessen war Hank auch an Gruppen von bewaffneten Männern gewohnt und hatte selbst ein Schwert dabei, welches er nun zog um dafür zu sorgen
dass die Mitglieder der Gruppe die Köpfe verloren oder starben, oder beides. Dann wischte er die Klinge am Gras ab und rannte weiter.**
Er musste durch einen tiefen und dichten Wald, was ihn dazu veranlasste sein Schwert als Machete zweckzuentfremden, obwohl sich diese nützlichen
Gebrauchsgegenstände nicht gerade unähnlich sind. Wie alles Andere, schaffte er jedenfalls auch den Wald.
Nach viereinhalb Tagen Reise kam er endlich an sein Ziel, es war eine Burg und sie sah genau so aus wie die, auf der er den Auftrag bekommen hatte.
Vermutlich weil beide aus einem Katalog für diese Fertigwohnburgen stammten. Er fragte einen Knecht nach >piep<*** und ging**** nach einer ausführlichen,
aber einfach gehaltenen Wegbeschreibung durch den Hauptbereich der Burg und eine Treppe empor um schließlich ins Schlafgemach von Prinzessin,
oder Königin, oder was auch immer >piep< zu gelangen.
Er gab ihr den Brief und wartete, manchmal wurde er von den Empfängern sofort damit beauftragt dem Absender, der dabei selbst zum Empfänger wurde,
einen Antwortbrief zu überbringen. Während >piep< den Brief las erschienen tiefe Zornesfalten auf ihrer Stirn, man hätte damit rechnen können dass ihr
in einer der nächsten Minuten Schaum aus dem Mund lief. Sogar Hank erkannte schließlich, als ihm plötzlich aus irgendeinem Reflex heraus voll in die
Fresse gehauen wurde, dass >piep< etwas aufgebracht war.
Aus welchem Grund dies geschah wird uns wohl für immer verschlossen bleiben.

Die Konsequenzen waren jedoch unglaublich. Bei dem Schlag in die Fresse von Hank, verlor er einen Eckzahn und Genau dieser Eckzahn war es,
der eine Revolte, einen Bürgerkrieg und eine Revolution gleichzeitig anzettelte. Nach dem Ende des langjährigen Krieges wurde der Eckzahn im ganzen
Land gefeiert und bejubelt ob des Sieges in den er das Volk gegen die niederträchtigen, adligen Unterdrücker führte und er Ritt auf einem prächtigen
Elch von Sonnenuntergang zu Sonnenuntergang. Nun gut, da die Kinder Blumen über jede Straße streuten durch die der Eckzahn ritt, rutschte der Elch
irgendwann aus und brach sich die Beine. Aber der Eckzahn war gut zu Fuß.

Hank schmiss, wie man von irgendjemandem hörte, irgendwann seinen Job. Er bekam von einem entrüsteten Bauern einen Stein auf den Kopf und
erlebte einen anhaltenden Intelligenzschub. Er stellte fest dass tatsächlich sieben achtel von dem Geld, dass er eigentlich besitzen sollte, fehlten und wer
dafür die Verantwortung trug. Hank forderte sein Recht, bzw. Geld, und bestellte sich in einem Katalog eine Fertigwohnburg in der er lebte*****.

Ende gut, alles gut!


*Die Mitglieder solcher Gruppen werden in Fantasyfilmen von Leuten gespielt, deren Namen im Abspann ganz unten oder gar nicht aufgeführt werden.
**Nicht dass er angehalten hätte um die Gruppe zu beseitigen, jedoch musste der Satzteil „...wischte die Klinge am Gras ab und rannte weiter.“
eingefügt werden um die Textmenge zu strecken, ich bitte dies zu entschuldigen.
***Der Name wurde aufgrund eines akuten Kreativitätsdefizits zensiert, ich nenne ihn vielleicht später, falls er mir plötzlich einfallen sollte.
****Ich meine natürlich: „rannte“.
*****Selbstverständlich glücklich und zufrieden bis ans Ende seiner Tage.

Ich möchte mich für´s Lesen bedanken und für den exzessiven Gebrauch von Fußnoten
entschuldigen. Offiziell. In aller Form. Vielmals!

J.M.
« Letzte Änderung: 15. Januar 2009, 11:27:49 Uhr von Tyler »
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Offline Dr.Popitz

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Re: Hank - A tribute to Terry Pratchett
« Antwort #1 am: 15. Januar 2009, 12:14:54 Uhr »
Sehr amüsant zu lesen und es erinnert in der Tat ein wenig an Terry Pratchett. #thumbsup
Fallout, then fall over.
Zitat von: Eraser
In Rollenspielen geht es ums sammeln neuer Waffen und Items. Das ist die zugrunde liegende Spielmechanik.
OMG...ich hab grad was gutes an Fo3 gefunden.^^

Offline Tyler

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Re: Hank - A tribute to Terry Pratchett
« Antwort #2 am: 15. Januar 2009, 13:07:36 Uhr »
Endlich jemand mit ein bisschen Feedback! Dankeschön! *verbeug*

Noch jemand? Bitte? :D
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Offline Jessica

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Re: Hank - A tribute to Terry Pratchett
« Antwort #3 am: 19. Januar 2009, 08:10:22 Uhr »
Öhm...erinnert mich an die Scherzgeschichten, wenn jemand in Deutsch keine Lust hatte richtig zu arbeiten ^^

*Terry Pratchett nur vom Namen her kennt*
Zitat
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  /l、
゙(゚、 。 7
 l、゙ ~ヽ
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Ashley (SF)

Offline Tyler

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Re: Hank - A tribute to Terry Pratchett
« Antwort #4 am: 22. Februar 2009, 09:34:37 Uhr »
*Terry Pratchett nur vom Namen her kennt*
Schäm dich, Jess. Würd sich echt mal lohnen das nachzuholen... ;)
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