Autor Thema: Destination Unknown  (Gelesen 4842 mal)

Offline zombi1978

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Destination Unknown
« am: 24. November 2009, 18:48:12 Uhr »
Der bedrohlich wirkende dunkle Raum voller Sterne umgab die Raumstation. Jeden Augenblick könnte ein neues Transportschiff mit neuen Kriegsgefangenen eintreffen. Am Außenfenster konnte
John Volkovich die roten Lichter der anderen Gefängnistürme der Station erkennen. Die Station lag frei im Weltall und bekam oft Besuch von den verschiedensten Schiffen ihrer eigenen Flotte.

John litt seit langer Zeit unter schrecklichen Alpträumen und heftigen Wutausbrüchen. Immer wenn er einen der Wärter durch die Eisengitter seiner viel zu kleinen Zelle sah, dann schossen ihm immer wieder die Bilder von damals durch den Kopf.

Damals… auf der Mondbasis Alexej, als er zusammen mit über fünftausend weiteren Menschen ums nackte Überleben kämpfte. Neben dem Militärpersonal, das über tausendsiebenhundert Mann auffasste, war der Rest Zivilisten gewesen, die es eben zu beschützen galt.

Als dann mehrere unbekannte Schiffe kurz nach dem Angriff auf die Erde in der Nähe des Mondes eintrafen und der Ausnahmezustand herrschte, brach die blanke Panik aus. Die Antischiffsgeschütze auf der Mondoberfläche fügten der massiven Angriffsflotte zwar einige Verluste zu, wurden aber alle nach dem Eintreffen eines noch größeren und noch nie zuvor gesehenem Schiffstyp nacheinander zerstört. Das Schiff hatte die Größe der Iberischen Halbinsel gehabt und glich vom Aussehen einem Barrakuda. Es befand sich kein Schiff der Erdenregierung in der Nähe, das zu einer selbstmörderischen Rettungsaktion im Stande war.

Eilig wurden die Bodentruppen der Erdenregierung in die Gefechtsabteilungen versandt, um einen möglichen Bodenangriff abzuwehren. Die Zivilisten wurden sicher im unterirdischen Bunkersystem verschlossen und hatten Sauerstoff für die drei nächsten Monate. Die Mondbasis wurde in aller Eile zur provisorischen Festung umgebaut. Jeder Soldat musste zur Sicherheit einen Sauerstoffanzug der Militärversion tragen. Die Anzüge konnten den kostbaren und spärlichen Sauerstoff für einige Erdentagen auffassen, mussten aber dann zwangsweise an in der Basis verteilten Ladestationen wiederaufgefüllt werden.

John Volkovich war Hilfsschütze für einen Techniker namens Dmitri. Während der ersten Stunden der Belagerung hatte Dmitri die Aufgabe, die Sauerstoffzufuhr zu unserer Sauerstoffstation im Auge zu behalten. Die gläsernen Korridore gaben einen perfekten Blick auf die Landefelder. Durch ein komplexes Röhrensystem gelang der Sauerstoff von den Botanischen Gärten und Reinigungs- und Filteranlagen in die Basis – hätte eine dieser Einrichtungen eine Giftgasgranate oder andere sauerstoffverbrauchende Stoffe abbekommen, dann wäre der Erstickungstod sicher gewesen.

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John Volkovich versuchte sich so oft wie nur möglich an diese Tragödie zu erinnern. Die Gefahr, mitten im Schlaf aufzuwachen und nicht zu wissen wo man ist, war verdammt groß. Es war außerdem seine aufgezwungene Pflicht, alles dem „Büro für Äußere Angelegenheiten“ über diese Dinge vollständig zu unterrichten - falls er je überleben würde.
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Dmitri schaute auf die weiße Anzeigenfläche mit blauen Zahlen und Ziffern.
„Alles im guten Bereich. Die Luftfilter arbeiten nach Vorgaben. Was denken Sie, wie lange diese Sache hier laufen wird?“

John kratzte sich am Hals. Die silberne Hundemarke verhedderte sich an seinem Waffengurt.

„Das hängt eher nicht von uns ab.“ antwortete John. „Die Schweine da oben haben bestimmt hunderttausende Soldaten und wir haben gerade mal vollständige Ausrüstung für zweihundertfünfzig Mann. Die sind klar am Drücker, Towarisch.“

„Hätte nicht gedacht, dass Sie Russisch können.“

John schaute verdutzt. „Sie können es etwa nicht? … beschissene Völkerallianz… Kein Wunder, dass wir alle unsere ursprünglichen und kulturellen Wurzeln verlieren!“

„Da kann ich nicht zustimmen.“ wies Dmitri mit ernster Stimme von sich. „Die Völkerallianz brachte aber endlich Einigung und Expansion. Warum dann nicht auch die Einigung durch eine Sprache?“

John entnahm seiner Brusttasche ein Bajonett und fixierte grinsend damit Dmitris Gesicht. „Einigung hätten wir auch auf andere Art erreichen können… Kennen Sie sich eigentlich mit Kernphysik aus?“

„Was?“

„Vergessen Sie´s, Chef.“ John steckte das Bajonett zurück in die Tasche und gönnte sich eine Zigarette.

„Sind Sie verrückt!?“ protestierte der Techniker rapide. „Sie verpesten unsere Luft zum Überleben! Wäre hier Kommissar Henrickson, hätte er Ihnen in dieser Situation in der wir uns befinden mit  Erschießung gedroht!“

Zwei breite lilafarbene Strahlen schlugen in die graue Landschaft ein. Der Schein konnte von den gläsernen Korridoren gesehen werden.

„Was war das für´n Scheiß?!“ brüllte Dmitri.

„Keine Ahnung.“ Sagte John ruhig. „Aber irgendwie hab ich´s im Blut, dass sie´s endgültig auf uns abgesehen haben…“

Drei weitere lila Strahlen knallten auf die Landschaft. Leichte Erschütterungen folgten, die selbst in der Basis zu spüren waren. John kam es vor, dass die letzten Strahlen näher in Richtung Hauptkomplex einschlugen.

„Halten Sie schon mal Ihre Waffe bereit, Chef. Das ist erst der Anfang.“ sagte er leicht angespannt, mit seiner Zigarette in der einen und mit seiner Molotov MP in der anderen Hand.

Der gläserne Korridor war mit einem Treppenhaus und einer Observationsstation verbunden. Weiße Kacheln und dicke Rohre zierten die Wände.

„Können Sie die Tür zur Observationsstation knacken, Chef?“ fragte John.

„Der zuständige Offizier müsste doch gleich da sein.“

„Ich bin eigentlich seine Ablösung, aber man gab mir keinen Zugangsschlüssel.“

„In Ordnung, geben Sie mir etwa fünfzehn Minuten… diese Art von Sicherheitsschloss ist besonders hartnäckig.“

Der Techniker nahm aus seinem großen schwarzen Rucksack einige Präzisionsgeräte und machte sich an die Arbeit. John hockte sich hin und rauchte seine Zigarette zu Ende.

Aus einem der Lautsprecher an den Decken drang eine entspannte weibliche Stimme durch: „Feindliche Fußtruppen mit Panzerunterstützung sind gerade gelandet und nehme Kurs auf unsere Basis. Voraussichtliches Durchbrechen des Verteidigungsperimeters in fünfzig Minuten. Alle Posten auf Belagerung einstellen. Das Ablösungspersonal soll sich bereit halten.“
Dmitri blickte nervös in Richtung des Korridors. John atmete tief durch und fasste ihn an die Schulter: „So, Chef! Entweder wir oder die. Wir könnten von Glück reden, wenn wir überhaupt die nächsten vierundzwanzig Stunden überleben werden.“

Dmitri legte sein Präzisionsgerät auf den Boden und bestaunte seine getane Arbeit. „Ich denke, jetzt müsste es funktionieren. Ich habe das Sicherheitssystem überbrückt und den Zugangscode von Innen eliminieren können.“

„Sowas lernt man also heute auf der Technikerschule?“ fragte John erstaunt.

Das Rekrutierungsprogramm der Armee sah vor allem eine strikte Trennung der Auszubildenden von anderen vor. John durchlief die gewöhnliche Standartausbildung eines Schützen. Dennoch harte Arbeit.

Dmitri musste Grinsen. „Ich bin keiner von den vielen gewöhnlichen Technikpisser. Wurde wegen einem prekären Datenraub und mehrerer kleiner Betrügereien zu dreißig Jahren Strafdienst in der Technikerdivision verknackt.“ Die Schiebetür öffnete sich automatisch. „Schauen wir uns aber mal die Überwachungsmonitore an.“

DAS VORZEITIGE ENDE...?

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Was haltet Ihr davon? Diese eigentlich mehr ins Sci-Fi überschwappene Kurzstory war als Anfang für eine längere Geschichte gedacht, die ich vor einem halben Jahr angefangen, aber wieder zu Gunsten anderer verworfen habe. Kritik? Immer erwünscht. Hierbei nur: das "unser" war von mir gewolt. Sollte bloß etwas für später werden. ;)
Ich kann mir schon vorstellen, das einige gern eine vernichtende Kritik rausgeben möchten...  #lachen#

Offline Mr.Wolna

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Re: Destination Unknown
« Antwort #1 am: 01. Dezember 2009, 19:12:28 Uhr »
ALSO, bin endlich dazu gekommen das Ding zu lesen.

Zur Story:
Die Idee gefällt mir gut (auch wenn ich nicht so der SiFI Typ bin) aber es ist doch ganz nett. Der Protagonist ist der typische raue, klischeehafte Machoarsch - so kommts mir ebenfalls rüber - und das finde ich super. Die Story macht definitiv Lust auf mehr.

Zum Erzählstil:

Fail! Ist sicherlich meine persönliche Meinung, aber mit gefällt dein Erzählstil nicht. Die ständigen Bemerkungen und Fragen, seitens der Erzähler bringen mich aus den Fluss der eigentlichen Geschichte.

Mehr Kritik gibt es an dieser Stelle nicht, da die Geschichte sehr kurz ist bzw. in ihr nicht viel passiert. Ich würde mich freuen, wenn es was längeres wird. Zum Schluss kann ich sagen, das du meine Sympathie ebenfalls hast, das "russische" in der Geschichte" spricht mir zu. ;) Auch wenn John nicht wirklich russisch klingt^^ An dieser Stelle; Warum zum Puschkins Pimmel, nennt jeder 2te seinen Protagonisten John oder Jack? Es gibt sooooo viele andere schönere und vor allem exotischere Namen. Da macht es Lexx mit "Nikopol" wahrlich vor.

Jedenfalls immer wieder schön was neue zu lesen (auch wenn gerade adnere Dinge im Vordergrund stehen). Wünsche dir noch viel Kritik seitens der Community, aber bei diesen Lesemuffeln, weiß ich ja nicht so recht...  :P
« Letzte Änderung: 13. Januar 2010, 02:49:17 Uhr von Mr.Wolna »
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P.s. Nein es ist nicht die Gewalt was mich an der Fallout Reihe gereizt hat,aber sie war immer die Kirsche auf der Sahnetorte ( Und ich will verdammt nochmal ne Kirsche oben drauf haben)

Offline zombi1978

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Re: Destination Unknown
« Antwort #2 am: 01. Dezember 2009, 19:20:57 Uhr »
Yeah, thanks für das Review.
Der Erzählstil hat mir damals schon Sorgen gemacht, aber alles nochmals umzuschreiben oder gar zu löschen wollte ich nicht. :>
Es wird aber keine Fortsetzung geben, denke ich. War halt sowas wie ein Experiement damals. Heute zu Tage habe ich natürlich einen besseren und flüssigeren Schreibstil und das war eine verdammt lange Arbeit gewesen. ;)
Trotzdem, nochmals THX für´s Review!

Offline Mr.Wolna

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Re: Destination Unknown
« Antwort #3 am: 01. Dezember 2009, 20:16:04 Uhr »
Schade, würde mich über eine Fortsetzung freuen. der Titelheld, erinnert mich irgendwie an den aus Beneath the steel sky. Kein Plan warum^^.
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Offline zombi1978

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Re: Destination Unknown
« Antwort #4 am: 01. Dezember 2009, 20:47:52 Uhr »
Momentan habe ich an andere Stories, das betrifft auch auf die Gerne, zu arbeiten. ;)

Offline Mr.Wolna

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Re: Destination Unknown
« Antwort #5 am: 01. Dezember 2009, 20:59:47 Uhr »
Jo, mach nur. Ich freu mich immer auf neue Sachen.
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