Autor Thema: Auf einmal Obdachlos …  (Gelesen 1803 mal)

Offline Tayika

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Auf einmal Obdachlos …
« am: 06. November 2008, 11:16:16 Uhr »
Mir geht es gut, richtig gut! Ich verdiene mir etwas nebenher, da mein Job mies bezahlt ist, ich kann davon die Parties, meinen Unterricht am Schießstand - ja, ich schieße gerne und kann das auch gar nicht mal schlecht, ungewöhnlich für ein Mädchen wie mich, ich weiß - egal, jedenfalls kann ich beides davon bezahlen, wohnen tue ich ja noch bei Mum & Dad.
Erst gestern war ich wieder auf einer total geilen Party! Die Pillen, die ich mitgebracht habe, kamen richtig gut an, ich habe die ganze Nacht nicht einen Drink bezahlt - einfach geil! Später hab ich noch mit Billy Graves gepoppt - huh, war das heiß! Ja, das Leben ist einfach nur cool hier in der NKR!
Klar, das frühe Aufstehen nervt, aber hey, etwas Wasser morgens, etwas Schminke und keiner sieht wie wenig ich in der Nacht geschlafen habe und mein Lächeln passt auch immer, wer würde mir schon ein solch wildes Nachtleben zutrauen, geschweige denn meine kleinen Diebstähle? Hihi, bisher glauben sie immer, Karen, die Spießertussi würde die Sachen mitgehen lassen - umso besser! Ich hab schon mal überlegt ihr etwas zuzustecken, aber das wäre unfair, nein. Wir arbeiten schließlich immer noch zusammen und wenn ich ehrlich bin macht mir die Arbeit als Krankenschwester ja auch Spaß. Ich helfe gern anderen Leuten, ja, das ist wohl meine andere, gute Seite - ich bin recht begabt, was erste Hilfe, verarzten und so angeht, deshalb mögen sie mich auch hier im Memorial-Hospital. Und natürlich weil ich echt süss und nett bin.

Jedenfalls ist heute der Morgen nach der coolen Party mit Billy Graves. Ich stehe auf, gehe ins Bad und dusche und ziehe meine Schwesternkluft über, so wie man sich die vorstellt, ja. Im Flur steht ein gepackter Rucksach, schon irgendwie komisch. Mum und Dad sind auch irgendwie merkwürdig drauf, sagen kaum was, irgendwas scheint sie zu bedrücken. Geht denen etwa meine Feierei auf die Nerven? Aber warum sagen sie dann nichts? Egal, ich muss los! Ich verabschiede mich und los gehts ins Hospital.
Dort angekommen, kann ich mich auch nur wundern, Shit, was is'n mit dem Pförtner los? Schaut mich an wie eine Aussätzige, schüttelt sogar den Kopf, als ich an ihm vorbeigehe. Hab ich was verpasst? Hallo? Ist jemand gestorben? Na egal, ich beeile mich, schließlich muss ich auf Station. Ich versuche alle anderen, die mir begegnen zu ignorieren, bis auf einen freundlichen Gruß eben, aber irgendwie grüßen die nicht zurück. Mann! Ich kapiers nicht! Ist irgendwas an mir? Mit mir? Ich schaue mich im WC im Spiegel an, mich, meine Kleidung - nee, alles okay! Also schnell weiter! Oben auf Station fängt mich Karen ab, sie schaut mich mit einer Mischung aus Traurigkeit, Mitleid, aber auch Verachtung an. Was is denn los?
Ich soll zum Stationsarzt kommen, meint Karen zu mir. Ich hebe meine Brauen, irgendwie bekomme ich ein komisches Gefühl im Magen, gehe dann aber zum Büro von Mr. Tanaka, er ist ein guter Bekannter meines Dads. Ich klopfe an. Kurz darauf höre ich seine vertraute Stimme und trete ein. Ich versuche zu Lächeln, doch meine aufgekommene Unsicherheit scheint durch, da bin ich mir sicher. Er sagt nicht, das ich mich setzen soll, also bleibe ich stehen und schlucke hart.
"Wir haben es nun nun einen Monat angesehen, Tayika, aber du hast immer so weiter gemacht. Sogar als der Verdacht auf Karen fiel, hast du nichts geändert. Du bist gefeuert und wirst die NKR verlassen, noch heute!"
Seine Worte hallen in meinem Kopf nach und sollte noch etwas Müdigkeit in mir gewesen sein, jetzt bin ich wach. Ich werde blass, das spüre ich und mir klappt die Kinnlade herunter. Ich weiß nicht was ich sagen soll, muss erst die ganze Bandbreite dessen, was er gerade gesagt hat, erfassen! Sie schmeißen mich raus! Nicht nur hier aus dem Krankenhaus, nein, aus der NKR! Jetzt kann ich die Puzzlesteinchen zusammen setzen, der Rucksack auf dem Flur, das Verhalten meiner Eltern, der Leute hier im Krankenhaus! Sie alle wissen es! Wissen, das ich gestohlen habe!
"Mr. Tanaka ... ich ... es tut mir ..." Weiter komme ich nicht, er unterbricht mich rüde und als ich mich umdrehe, stehen zwei Sicherheitsleute hinter mir. Ich erbleiche noch mehr, wehre mich aber nicht, als sie mich ergreifen und von ihr fortbringen. Mein Blick senkt sich. Ich kann nicht einmal weinen, ich muss erst verarbeiten, was nun passiert ... Sie bringen mich nach draußen auf den Innenhof, dort in ein Auto, natürlich auf den Hintersitz, die Türen von innen nicht zu öffnen. Sie fahren mich wieder nach Hause. Meine Eltern stehen bereits an der Tür, die Enttäuschung steht ihnen ins Gesicht geschrieben, Enttäuschung und noch etwas anderes - Verachtung! Ich habe Schande über die Familie gebracht, ich bin nun kein Teil der Familie mehr. Wenn mir mein Vater nicht viel beigebracht hat, dann doch das - Ehrgefühl. Mir wird die Tür geöffnet und einer der Sicherheitsleute fasst mich am Arm. "Geh hinein, dein Rucksack ist gepackt, nimm dir noch ein paar private Dinge aus deinem Zimmer, dann wirst du fortgebracht, Tayi.", sagt meine Mutter zu mir. Erst jetzt fällt meine innere Sperre, die Blockade und ich beginne zu heulen. Die Tränen fliessen nur so meine Wangen hinab, mein Makeup verwischt, doch das kümmert mich nicht. Ich will zu meiner Mutter, doch der Sicherheitsmann erlaubt es nicht, führt mich mit festem Griff in unser Haus, in mein Zimmer, wo nun der Rucksack auf meinem Bett steht. Ich wische mir die gröbsten Tränen aus den Augen und schaue. Ich öffne den Rucksack, schaue was darin ist, was mir noch fehlt. Ich packe noch etwas ein, vor allem aber auch meine Pistole, sie werde ich sicher brauchen. Ich ziehe mich auch um, der Schwesternkittel erscheint mir unpassend. Als ich meine alles zu haben, trete ich wieder aus meinem Zimmer. Meine Augen brennen vom vielen Heulen, sicher sind sie auch rot unterlaufen. Der Sicherheitsmann fasst mich wieder am Arm. Wenigstens erspart er mir die Handschellen. Nichtmal der Abschied von meinen Eltern wird mir gestattet. Mein Vater wendet den Blick von mir ab, als ich seinen Blick suche, meine Mutter tut dies nach einem kurzen, aber merkbaren Zögern. Ich senke sofort wieder meinen Blick und heule los.
Ich werde wieder auf den Rücksitz verfrachtet, mein Rucksack im Kofferraum. Dann fahren die zwei Männer los. Wir fahren aus der Stadt, verlassen schließlich die Grenzen der NKR. Ich habe keine Ahnung, wo ich bin, als sie schließlich anhalten und mich aussteigen lassen. Meinen Rucksack werfen sie mir vor die Füße. Dann fahren sie ohne ein weiteres Wort davon ...

Nun bin ich allein ... allein und nur auf mich gestellt ...
« Letzte Änderung: 06. November 2008, 13:05:30 Uhr von Tayika »

Offline Micky

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Re: Auf einmal Obdachlos …
« Antwort #1 am: 06. November 2008, 12:28:30 Uhr »
Ich find die Story gar nicht mal schlecht, weil sie aus der Ich-Perspektive erzählt ist. #thumbsup
Übrigens, im vorletzten Absatz ist am Schluss ein RS-Fehler. :angel:


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Re: Auf einmal Obdachlos …
« Antwort #2 am: 06. November 2008, 12:37:20 Uhr »
Habs noch nicht komplett gelesen, der Text hat aber mehrere Fehler. "tuschen" anstelle von "duschen" zum Beispiel.
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Offline Micky

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Re: Auf einmal Obdachlos …
« Antwort #3 am: 06. November 2008, 12:38:36 Uhr »
Ich bin sicher Tayi wird den heut noch überfliegen. ;)


Brian Fargo während der Arbeit an Wasteland 2 zum Thema 'Publisher': "I don’t have any crazy people in my office telling me what to do."

Offline Tayika

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Re: Auf einmal Obdachlos …
« Antwort #4 am: 06. November 2008, 13:06:52 Uhr »
So, die offensichtlichen Rechtschreibfehler hab ich korrigiert. Ja, man sollte sowas nach dem Schreiben nochmal Korrekturlesen. ;)

Nur weil sie aus der Ich-Perspektive ist? Na danke ... ^^

Offline Micky

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Re: Auf einmal Obdachlos …
« Antwort #5 am: 06. November 2008, 13:09:09 Uhr »
Ich hab nicht geschrieben, nur weil sie aus der Ich-Perspektive ist. Unter anderem hat sie mir deswegen so gefalln. Bitte meine Posts lesen. ;)


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Offline Jessica

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Re: Auf einmal Obdachlos …
« Antwort #6 am: 06. November 2008, 17:05:47 Uhr »
Hmm...mein Bild von Tai hat sich grade ziemlich gewandelt ~~

Den Rausschmiss fand ich erzählerisch allerdings ziemlich gut umgesetzt.   
Zitat
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  /l、
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Offline Micky

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Re: Auf einmal Obdachlos …
« Antwort #7 am: 06. November 2008, 17:10:31 Uhr »
Tja Jess... zu früh gefreut wa? :roll


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